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Von Dirk Manski

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Makroskopische Anatomie der Nieren: Aufbau, Gefäße und Nerven

Makroskopische Anatomie der Nieren

Gliederung der Nieren

Das Organ ist paarig angelegt und weist eine bohnen- oder nierenförmige Gestalt auf. Eine Niere wiegt zwischen 120 und 200 g. Die Oberfläche gliedert sich in Vorderfläche, Hinterfläche, Oberpol (Extremitas superior) und Unterpol (Extremitas inferior). Die Größe einer normalen Niere beträgt 10–12 cm in der Länge, 5–7 cm in der Breite und 3 cm in der Dicke (a.p.). Die laterale Fläche ist konvex. Die mediale Fläche ist konkav, in der Vertiefung liegt der Sinus renalis mit dem Nierenhilus. Am Hilus dort treten Ureter, Nierenarterie und Nierenvene an das Organ heran.

Bindegewebshüllen der Nieren

Die Nieren besitzen eine derbe Organkapsel (Capsula fibrosa), die dem Parenchym unmittelbar anliegt und sich in den Nierensinus fortsetzt [Abb. Schnittbild-Anatomie der Nieren]. Die Nieren sind von einer Fettschicht umgeben (Capsula adiposa). Diese Fettkapsel wird von einer bindegewebigen Hülle umgeben (Fascia renalis oder Gerota Faszie). Die Fascia renalis umhüllt die Nieren samt Fettkapsel und die Nebennieren, nach kranial und lateral geht das vordere Blatt in das hintere über und bildet einen Abschluss (Nierenloge). Nach medial sind die Faszienblätter an den großen Gefäßen fixiert. Nach kaudal gibt es keine Verbindung zwischen vorderem und hinterem Blatt der Nierenfaszie, der Faszienraum ist in Richtung Becken offen. Das vordere Blatt der Fascia renalis liegt unmittelbar unter dem Peritoneum parietale. Lateral und dorsal verbindet sich die Fascia renalis mit der Fascia transversalis und der Faszie des M. psoas.

Schnittbild: Bindegewebshüllen der Niere (Gerota-Faszie, Fettkapsel, Peritoneum)
Schnittbild-Anatomie der Nieren: Bindegewebshüllen der Nieren. Abb. aus Gray’s Anatomy, Lea and Febiger 1918, Philadelphia, USA.

Topographische Beziehungen der Nieren

Retroperitoneale Lage der Nieren rechts und links neben der Wirbelsäule unterhalb des Zwerchfells. Normallage:

Topographie rechte Niere:


Topographie der Nieren, Nachbarorgane
Topographische Beziehungen der Nieren nach ventral. Abb. modifiziert nach Gray's Anatomy, Lea and Febiger, 1918, Philadelphia, USA.

Topographie linke Niere:

Innerer Aufbau der Nieren

Das Parenchym der Nieren besteht aus zwei makroskopisch und mikroskopisch unterschiedlichen Geweben: der Nierenrinde (Cortex renalis) und dem Nierenmark (Medulla renalis). Da die einzelnen Nierenmarkabschnitte pyramidenförmig sind, werden sie auch Markpyramiden genannt. Im Längsschnitt sind die einzelnen funktionellen Einheiten der Nieren erkennbar [Abb. 2.2]. Die Nieren bestehen jeweils aus durchschnittlich 14 Lobi renales. Jeder Lobus renalis drainiert mit seinen Sammelrohren in einen Calix (Kelch), die Sammelrohre bilden die Papille aus. Jede Niere hat 7–13 Kelche, manche Lobi drainieren gemeinsam in einen Nierenkelch. Neben den Papillen befinden sich die Columnae renales (Bertin-Säulen), sie bestehen aus Rindenanteilen von zwei benachbarten Lobi renales, welche sich in den Nierensinus ausgedehnt haben. Der Urin gelangt vom Kelch über den Kelchhals in das Nierenbecken, von wo aus er schließlich in den Harnleiter fließt.

Während der embryologischen Entwicklung ist die morphologische Trennung der einzelnen Nierenlappen noch deutlicher erkennbar, tiefe Einschnitte trennen die einzelnen Lobi renales (Renkulierung). In den ersten Lebensjahren glättet sich die Nierenoberfläche. Gelegentlich persistiert die Renkulierung bis in das Erwachsenenalter.


Schematischer makroskopischer Aufbau der Nieren, Abb. links aus Gray's Anatomy, Lea and Febiger 1918, Philadelphia, USA. Zum Vergleich ein Längsschnitt durch eine Niere (rechts). Mit freundlicher Genehmigung, Pathologicum Augsburg Prof. Dr. Stömmer, Dr. Erhardt & Kollegen.
Abbildung makroskopischer Aufbau der Nieren

Gefäß- und Nervenversorgung der Nieren

Die Nieren werden über die paarigen Nierenarterien (Aa. renales) aus der Aorta abdominalis versorgt. Die Gefäßversorgung unterliegt häufig Variationen.

Arteria renalis dextra et sinistra:

Die Arterien der Nieren entspringen aus der Aorta. Die rechte Arterie zieht dorsal der V. cava zur rechten Niere. Die Nierenarterien liegen typischerweise dorsal der zugehörigen Nierenvenen.

Vena renalis dextra et sinistra:

Die Venen der Nieren drainieren in die Vena cava inferior Die linke Nierenvene ist länger und zieht ventral der Aorta unterhalb der A. mesenterica superior in die V. cava (siehe auch Nussknacker-Syndrom).

Lymphgefäße der Nieren:

Die linke Niere drainiert in die paraaortalen, die rechte Niere in die paracavalen und interaortokavalen Lymphknoten. Die kraniokaudale Ausdehnung der relevanten Lymphknotenstationen reicht von der A. mesenterica inferior bis zum Zwerchfell.

Innervation der Nieren:

Der Plexus renalis liegt um die A. renalis und enthält v. a. postganglionäre Fasern aus dem Sympathikus (Th10 bis L2). Mit den Arterienaufzweigungen gelangen die Nerven in die Nieren und beeinflussen den Gefäßtonus und die Ausschüttung von Renin. Trotz kompletter Durchtrennung der Innervation (z.B. nach Transplantation) ist eine gute Nierenfunktion möglich, da glomeruläre Filtration und tubuläre Transportprozesse weitgehend autoregulatorisch sowie hormonell gesteuert werden.






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Literatur

Benninghoff, A. (1993): Makroskopische Anatomie, Embryologie und Histologie des Menschen. 15. Auflage. München; Wien; Baltimore: Urban & Schwarzenberg.


  English Version: Anatomy of kidneys

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